OMR 2026 Recap: KI-Absurditäten und -Abhängigkeiten mit Folgen
- Juliane Jähnke

- 12. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Die jährlich OMR Welle ist vorüber, macht aber in ihren Botschaften zunehmend nachdenklicher.
Bei allem was kommt vorneweg: Live Marketing gewinnt weiterhin, klare Aussage auf diesem Online-Marketing-Festival. Messen sind also per se in einem gut positionierten Marktsegment. Ihre Kommunikation und Organisation wird sich aber massiv verändern müssen.
Die OMR macht Hintergründe der Online-Welt transparent, deren auch kritisch zu bewertende Entwicklungen sie auch gleichzeitig wieder füttert. Dabei bedient sich die Kommunikation Instrumenten und Wegen, die teilweise befremdlich sind. Technologische Möglichkeiten werden zu oft einseitig bewertet und maximal ausgenutzt, no matter what.
Beispiel 1: Listicles
Webseiten bleiben wichtig, aber anders. Aktuell treibt alle um, wie man mit seinem Produkt in die Antworten auf Prompts in den LLMs wie ChatGPT oder in die Google AI-Übersicht gelangt. GEO ist notwendig, aber noch nicht Realität. Ein irritierend häufig genutzter Weg ist es, auf seiner eigenen Webseite eine Liste der Wettbewerber zu erstellen und sich selber mit seinem eigenen Produkt an Nr. 1 zu setzen, mit einem beliebigen Kriterium, unabhängig von einer Relevanz-Betrachtung.
LLMs mögen solche Struktur, aktuelle Daten, übersichtliche Informationen. Man kann das auch angelehnt an FAQs gut lösen (genannt: Chunking), hat aber über Listicles offensichtliche eine gute Chance, bei einer entsprechenden Frage als Nr.1-Empfehlung im LLM aufzutauchen. Quellenangabe: eigene Webseite, aber wer verfolgt dann diese Quelle noch und welche Aussagekraft hat das?
Beispiel 2: Wikipedia
Eigentlich ist es nicht möglich für Unternehmen, eigene Wikipedia-Einträge für ein Unternehmen anzulegen. Es erfolgt schnell eine Löschung. Was irre dabei ist: Die Einträge sind nicht „weg“, sondern können noch von LLMs gescraped, also gefunden werden und werden mit Wikipedia als Quelle angezeigt. Es gibt also die Möglichkeit, eigene Unternehmensbeiträge anzulegen, von denen auch nach einer Löschung profitiert werden kann. Echt jetzt? Der Vortragende auf der OMR hat das zwar auch als "kritisch" angemerkt, aber dennoch als Möglichkeit veröffentlicht. Kann man machen, fühlt sich für mich falsch an.
Beispiel 3: Traffic auf Webseiten verliert weiterhin massiv.
Die Zahlen gab es auch schon letztes Jahr auf der OMR, Traffic verlagert sich massiv in die LLMs. Google ist deshalb als ein aktueller AI Gewinner mit Pool-Position zu bezeichnen, hier wegen der Google AI Overview. Aber auch eigene Hardware, Daten und Apps (wie Chrome und YouTube) stellen unschlagbare Vorteile gegenüber Konkurrenten dar. Ein LLM wie Claude lädt im Durchschnitt 71 Tsd. Mal Infos einer Webseite herunter, bis der erste echte User vom LLM aus auf die Webseite geht (Cloudflare Radar, Philipp Klöckner Präsentation OMR 2026).
Deshalb ist es verständlich, die Beispiele 1 und 2 zu kennen und abzuwägen. Allerdings gibt es auch Alternativen dazu. Basis ist in jedem Fall bei Messeveranstaltern die Notwendigkeit, überhaupt ihre Informationen strukturiert und dennoch auf einzelne Kundengruppen individualisiert aufzubereiten. Dazu braucht es eine klare Positionierung je Messe, einen USP, der über generische Argumente hinaus trägt und eine eindeutige Nennung von Nutzenversprechen für verschiedene Kundengruppen. Diese Infos müssen erstmal vorliegen, bevor sie in eine für LLMs-lesbare Form auf einer Webseite gebracht werden.
Beispiel 4: Bedenkenloses Nutzen von KI Modellen
Ich hätte mir bei reichweitenstarken Talks der OMR gewünscht, dass das Thema der Abhängigkeiten lauter diskutiert wird. Claude von Anthropic sind neuerdings die moralisch „Guten“ verglichen mit den Chat-GPT-Modellen von OpenAI oder schon gleich viel mehr gegenüber den chinesischen Deep-Seek-Modellen. Claude scheint auch genauer und zuverlässiger in den Antworten als z.B. das neue Chat GPT Modell zu sein (Research Princetown University Feb. 2026) und ist der absolute B2B-Liebling mit enormen Wachstumsraten.
Bei vielen von uns auch in der Messewirtschaft steht der Umbau der Organisationen auf eine Agentic-AI Zukunft an und das wäre mit diesen Unternehmen mit einer maximalen US-Abhängigkeit verbunden.
Warum wird in diesem Zusammenhang zu wenig über Alternativen und die Gefahren der Abhängigkeit gesprochen? Im Business-Umfeld gewinnt neben Claude aktuell vor allem Microsoft Teams mit dem Copilot, hier stecken GPT und neuerdings Claude dahinter. Open Source Modelle, guter Qualität, stammen fast ausschließlich aus China. Sind also auch mit Vorsicht zu betrachten.
Zumindest das französische Mistral versucht mitzuhalten, kann man nutzen, kann vieles gut. Leider werden hier zu wenig Beispiel gezeigt, die zur Nutzung animieren. Aber einfach nur auf die Technologieführer und auch bei weitem mit dem größten Investment ausgestatteten Unternehmen in den USA zu setzen, halte ich für zu kurz gegriffen. Was macht das mit der Risikobewertung in den Unternehmen?
Was heißt das für Messeveranstalter und ihre Teams:
KI-Verständnis ist aktuell elementar wichtig in der Kommunikation, um über Effizienz von Kommunikationskanälen entscheiden zu können.
Ganzheitliche Prozesskompetenz ist wichtig, um mit Automatisierung- und KI-Tools effizienter zu werden.
KI wird immer relevanter für die komplette Organisations- und Unternehmensentwicklung, weil ein Systemeinstieg- und -wechsel langfristige Folgen hat.
Juliane Jähnke Text ohne KI-Unterstützung geschrieben. Bild mit Canva erstellt.
Quellen: Diverse Talks auf der OMR 2026, u.a. "State of the German Internet" (Philipp Westermeyer und Roland Eisenbrand , "Beyond the AI Hype" (Philipp Klöckner), "AI Search 2026: Was funktioniert - und was nicht" (Malte Landwehr); "Towards a Science of AI Agent Reliability" (u.a. Stephan Rabanser)



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